Klares Signal: Bürgermeisterinnen und Bürgermeister der nördlichen Ortenau fordern Erhalt der Geburtshilfe am Standort Achern
Im Ringen um die Sparpläne des Ortenau Klinikums formiert sich im Norden des Landkreises geschlossener Widerstand: Die Rathauschefs der nördlichen Ortenau setzen sich für den Verbleib der Geburtshilfe am Standort Achern ein. Angesichts drohender Fehlbeträge in Millionenhöhe prüft der Landkreis einschneidende Umstrukturierungen, die unter anderem eine Schließung der Geburtshilfen in Achern und Lahr zugunsten einer Zentralisierung im Neubau in Offenburg vorsehen.
Ein Schlag gegen die flächendeckende Versorgung
Die Bürgermeister warnen vor den schwerwiegenden Folgen, die ein Aus für die Acherner Geburtshilfe nach sich ziehen würde. Nachdem bereits Ende 2019 die Geburtshilfe in Oberkirch geschlossen und nach Achern und Offenburg verlagert wurde, stellt der dortige Standort die zentrale Säule für werdende Mütter im gesamten nördlichen Landkreis dar. Eine weitere Zentralisierung nach Offenburg würde zu erheblich längeren und im Ernstfall gefährlichen Anfahrtswegen führen. „Gerade im flächenmäßig größten Landkreis Baden-Württembergs ist eine ortsnahe und verlässliche Daseinsvorsorge der Kern des Auftrags eines öffentlichen Trägers“, heißt es aus den Reihen der Rathäuser. Die medizinische Versorgung im ländlichen Raum dürfe daher nicht allein unter betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten bewertet werden.
Investitionen in die Zukunft stehen auf dem Spiel
Besonders bitter stößt den Kommunalpolitikern auf, dass erst vor wenigen Monaten das Angebot in Achern zukunftsorientiert erweitert wurde: Im Mai 2026 wurde feierlich ein neuer, hebammengeleiteter Kreißsaal eingerichtet, um Frauen eine besonders
natürliche, interventionsarme Geburt in sicherer Umgebung zu ermöglichen. Zudem steht der Neubau des Acherner Krankenhauses der Grundversorgung kurz vor der Fertigstellung. Es fehlt derzeit nur noch die Ausstattung der neuen Geburtshilfe.
Die mögliche Streichung der Geburtshilfe noch vor dem Bezug der modernen Räumlichkeiten empfinden die Bürgermeister als nicht schlüssig, da zeitnah zusätzliche Kapazitäten am Alt-Standort in Offenburg zu schaffen wären, welche erst noch geplant und finanziert werden müssten.
Die veröffentlichten Varianten beweisen: Ein Erhalt ist grundsätzlich möglich
Der wirtschaftliche Druck auf den Klinikverbund ist real. Das Klinikum selbst hat dennoch Varianten veröffentlicht, die einen Erhalt der Geburtshilfen in Achern und Lahr vorsehen und dennoch einen nachhaltigen Einspareffekt bewirken – insofern wäre
eine Zentralisierung der Geburtshilfen nicht alternativlos.
Die endgültige Entscheidung über die Sparvarianten soll in den kommenden Monaten im Kreistag fallen. Bis dahin wollen die Rathauschefs weiter gemeinsam für die Interessen der nördlichen Ortenau einstehen.